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Enzedra- Weiße Stellen der ländlichen Geschichte

Einheimische Nutz- und Zierpflanzen zur Erhöhung der regionalen Artenvielfalt“

 

Das Spektrum des Anbaus einheimischer Nutz- und Zierpflanzen, sowie die Art ihrer Verwendung wurden im Strudel der historischen Ereignisse während des zweiten Weltkriegs und der Zeit danach auf beiden Seiten der tschechisch-sächsischen Grenze nachhaltig negativ beeinflusst. Fachinformationen, die nicht mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung im heute tschechischen Gebiet des Erzgebirges verschwanden, gingen definitiv mit der Kollektivierung und Einführung von neuen landwirtschaftlichen Sorten und  Produktionsrichtungen, die nicht immer optimal auf die natürlichen Gegebenheiten des Erzgebirges abgestimmt sind, verloren. Die Reminiszenz dieser Nutz- und Zierpflanzen und ihre mögliche Wiedereinführung in die regionale Kulturlandschaft kann unter sich ändernden klimatischen und politischen Rahmenbedingungen ein bedeutender Faktor der regionalen Erhöhung der Artenvielfalt und der Schaffung alternativer Einnahmequellen für die Landwirtschaft sein.

Dieser Herausforderung der Suche alter traditioneller auch aus heutiger Sicht wirtschaftlich interessanter vergessener Nutz- und Zierpflanzen widmet sich das länderübergreifende Vorhaben Enzedra.

Früher wurde in ländlichen Regionen Deutschlands Saatgut von samenfesten Sorten für den Eigenbedarf gewonnen und von einer Generation an die Nächste weiter vererbt  und den Nachbarn über den Zaun gereicht.

Dieses Saatgut wurde durch Auslese von Jahr zu Jahr qualitativ immer besser und optimal an die regionalen Boden- und  Klimaverhältnisse sowie Ernährungsgewohnheiten angepasst.
Dieser kulturelle und genetische Schatz hat zu einer reichen und vielschichtigen Sortenvielfalt an Getreide, Gemüse und Obst geführt, die heute durch die Industrialisierung droht in Vergessenheit zu geraten.

In der heutigen Praxis finden beim modernen Einheitssaatgut die traditionellen und kulturellen Aspekte, die Anpassung an regionales Klima und regionalem Boden, die geschmackliche Qualität und Vielfalt in Form und Farbe in der Regel keine besondere Beachtung.

Teilweise wird das hier verkaufte Saatgut in weit entfernten Regionen vermehrt, wo es preiswerter herstellbar ist. Weitere wirtschaftliche Aspekte stehen im Vordergrund: So wird auf Hochertrag, EU-gerechte Normen (sog. DUS Kriterien), Hybridzucht und vermehrt auf Gentechnik gesetzt.

Hinzu kommt, dass die Saatgutvermehrung immer seltener bei uns im Lande und stattdessen in klimatisch warmen Regionen der Erde stattfindet.

Das widerspricht auch der traditionellen regionalen Saatgutproduktion mit der selektiven klimatischen Anpassung der Sorten.

Nur durch einige passionierte „Erhalter“ ist es möglich, das die alten Sorten weiterhin angebaut werden und das Saatgut erhalten bleibt.

Beispielsweise der „Böhmische Strunk“– ein Kohlrabi –, die "Bautzener Kastengurke" und der „Bautzener Dauerkopf“. In einer amerikanischen Gendatenbank konnte der vergessene Salat wiedergefunden werden. Die „Bautzener Kastengurke“, ein vergessener Einleger, konnte über die  Gendatenbank in Gatersleben wieder aktiviert werden.

Insgesamt gibt es regional eine eingeschränkte Sortenvielfalt an Gemüsen, die durch kleine Saatgutzuchtbetriebe samenfeste Sorten züchten und mit Unterstützung von Interessengemeinschaften anbauen und erhalten.

Enzedra ist ein Projekt des Sachsen-Leinen e.V.

Projektzeitraum: 1.01.2018 - 31.12.2021